Seit über 50 Jahren leisten die in der Bundesrepublik Deutschland ansässigen musikwissenschaftlichen Editions- und Forschungsinstitute eine auch international beachtete Arbeit: Sie betreiben „Denkmalpflege“ im eigentlichen Wortsinn, also im Bewahren und Erhalten jener Werke, die zum Kanon der abendländischen Musikkultur gehören und deren Notentexte sie in repräsentativen historisch-kritischen Ausgaben allgemein zugänglich machen.

eroeffnungstafelDie Ergebnisse dieser Arbeit kommen nicht nur der Fachwelt zugute, sondern auch der musikalischen Praxis und damit der Öffentlichkeit insgesamt. Ihre Auswirkungen auf das kulturelle Leben lassen sich an zahlreichen Beispielen eindrucksvoll belegen: sei es die „Entdeckung“ bislang unbekannter Werke bedeutender Komponisten, sei es die Bestätigung oder Widerlegung der Autorschaft eines Komponisten für ein bestimmtes Werk. Dagegen ist die Kenntnis und die Vorstellung davon, wie diese Arbeit im einzelnen aussieht, welche Stufen sie umfaßt, auf welche Materialien sie sich stützt und was genau ihre Faszination ausmacht, eher gering.

Dem möchten die unter dem Dach einer eigenständigen Fachgruppe innerhalb der Gesellschaft für Musikforschung zusammengeschlossenen Editionsinstitute mit der gemeinschaftlich erarbeiteten, in dieser Form erstmals realisierten Ausstellung „Klingende Denkmäler: Musikwissenschaftliche Gesamtausgaben in Deutschland“ begegnen. Beteiligt sind:

Bach-Institut Göttingen, Beethoven-Gesamtausgabe Bonn, Brahms-Gesamtausgabe Kiel, Hallische Händel-Ausgabe, Haydn-Institut Köln, Hindemith-Institut Frankfurt am Main, Lasso-Gesamtausgabe München, Mendelssohn-Gesamtausgabe Leipzig, Neue Mozart-Ausgabe, Salzburg, Schönberg-Gesamtausgabe Berlin, Schubert-Gesamtausgabe Tübingen, Schumann-Gesamtausgabe Düsseldorf, Telemann-Auswahlausgabe Magdeburg, Wagner-Gesamtausgabe München, Weber- Gesamtausgabe Detmold.

Hinzu kommen weitere Forschungsinstitute, die sich ebenfalls mit der musikalischen Quellenkunde beschäftigen: Bach-Archiv Leipzig, Brahms-Institut Lübeck, Wissenschaftliche Edition des deutschen Kirchenlieds Kassel, Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik der Heidelberger Akademie der Wissenschaften Schwetzingen, Max-Reger-Institut Karlsruhe, Répertoire International des Sources Musicales (RISM) Frankfurt am Main.

Die Ausstellung, die 25 Tafeln im Format 84*119 cm umfaßt und unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Musikforschung steht, hat das Ziel, einen grundlegenden Einblick in die musikwissenschaftliche Editionstätigkeit in Deutschland zu geben, indem sie die vielfältigen Facetten der editorischen Arbeit auf informative, aber dennoch kurzweilige Weise illustriert: von der Suche nach Quellen über den Umgang mit kaum entzifferbaren Handschriften, die Bewertung von Skizzen und Erstdrucken, die Identifizierung von Schreibern, die Darstellung der Textgenese anhand von Schreibprozessen, das Erfassen von Handschriftentypologien, die Beschreibung von Überlieferungswegen und Publikationsformen, die Erstellung von Werkverzeichnissen und Briefausgaben bis hin zur Erarbeitung von neuen, multimedialen Präsentationsmöglichkeiten. Neben erklärenden Texten wird dabei besonderer Wert auf die Abbildung von Originalhandschriften gelegt, so daß sich dem Betrachter gleichsam ein Blick durch das Schlüsselloch in die Werkstatt bedeutender Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Joseph Haydn, Paul Hindemith, Orlando di Lasso, Felix Mendelssohn Bartholdy, Wolfgang Amadeus Mozart, Max Reger, Arnold Schönberg, Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Wagner und Carl Maria von Weber eröffnet.

Die Ausstellung wurde am 5. Oktober 2005 in der Universitätsbibliothek in München aus Anlaß der XIV. Tagung der Gesellschaft für Musikforschung eröffnet und war dort bis zum 22. September zu sehen. Seit 2010 ist die Ausstellung dauerhaft im Institut für Musikforschung in Würzburg untergebracht.

 

Die vergangenen Termine:

  • Universität Leipzig (12. Oktober bis 31. November 2009)
  • Sächsiche Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (9. bis 30. September 2009)
  • Berlin-Brandenburgische Aklademie der Wissenschaften Berlin (bis Ende März 2008)
  • Robert-Schumann-Haus Zwickau (13. April bis 13. Mai 2007)
  • Beethovenhaus Bonn (13. Januar bis 12. April 2007)
  • Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf (10. November bis 21. Dezember 2006)
  • Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (18. Oktober bis 7. November 2006)
  • Foyer der Philharmonie Berlin (9. September bis 13. Oktober 2006)
  • Händel-Haus Halle (14. Juli bis 31. August 2006)