13.–16. Februar 2008

Materialität

12. internationale Tagung der Arbeitsgemeinschaft für germanistische Edition vom 13.–16. Februar 2008 an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) in Berlin

 

Editionen sind Formen der Wiedergabe und Vervielfältigung. Für Editionen aller Fachrichtungen und Epochen gilt ganz unabhängig vom Editionstyp, dass von Merkmalen des Werks abstrahiert werden muss. Egal, wie nah die Edition dem Werk kommt, wird jedenfalls abstrahiert von der Materialität des Zeugnisses, auf dem sie ruht. Der Umgang mit diesem uneinholbaren Bestandteil der Vorlage kennzeichnet  die Vorgehensweise des individuellen Editors. Der direkte Kontakt ist dasjenige, was der Editor den Benutzern der Edition bleibend voraushat. Das materiale Zeugnis besitzt zum einen durchaus eine Aura (im Sinne Benjamins), aber auch Ansatzpunkte für solche Untersuchungen, die nicht am Ersatzmedium vorgenommen werden können.

Materialität als Bestandteil einer “Archäologie des Wissens” (Foucault) ist in den letzten Jahren in vielen Fächern herausgestellt worden, besonders im Zusammenhang mit Medialität; die Erforschung umfasst auch den wissenschaftsphilosophischen Aspekt, inwieweit die konkreten Dinge in die Diskurse eingehen können. Auf editionswissenschaftlicher Seite ist die Auseinandersetzung bislang verhalten. Daher soll zu einer umfassenden Beschäftigung mit den divergierenden Aspekten aus verschiedenen fachwissenschaftlichen Perspektiven aufgerufen werden. Die Diskussion soll sich ausdrücklich nicht beschränken auf die Ebene grundlegender Fragen des Editionshandwerks, sondern in den  editionstheoretischen und editionsphilosophischen Bereich hineinführen. Gefragt wird, inwieweit materiale Aspekte das Werk des Autors formen bzw. beeinflussen, inwieweit sie in die editorische Arbeit  eingehen und wie der Editor Rechenschaft über ihre Erschließung ablegt. Die Spannbreite möglicher Vorträge reicht von den Aspekten Analyse (Beschreibschichten, Materialien, Schreibmittel, Textgenese)  über Dokumentation (Entwicklung von Beschreibungsmustern) und Reproduktion (Grenzen des Faksimiles) bis zur ‘Aura’ (Status und Unverwechselbarkeit des singulären Zeugnisses, Materie und Werkbegriff).

Die Tagung ist sowohl international als interdisziplinär ausgerichtet; sie richtet sich also nicht nur an Editoren aus den Literaturwissenschaften, sondern gleichermaßen an Editoren der Philosophie, der  Musikwissenschaft und der Geschichtswissenschaft. Vorbereitung und Durchführung der Tagung: Arbeitsstelle ‘Deutsche Texte des Mittelalters’ der BBAW (Martin J. Schubert).

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